Therapiefelder

Auffälligkeiten im Kindesalter

Sprachentwicklungsverzögerung (SEV), Sprachentwicklungsstörung (SES), Sprachentwicklungsbehinderung (SEB)

Beeinträchtigungen der Sprachentwicklung:

Bei dieser Art von Auffälligkeiten sind mindestens drei von vier Sprachbereichen nicht altersgemäß entwickelt. Hierzu zählen die Artikulation (Aussprache), der Wortschatz, die Grammatik und das Sprachverständnis.

Weiterhin kann die pragmatisch-kommunikative Ebene betroffen sein, eine, der Situation und den sprachlichen Anforderungen angepasste Verwendung von Sprache. Außerdem treten häufig Einschränkungen in der visuellen, auditiven oder taktil-kinästhetischen Wahrnehmung oder der Grob- und Feinmotorik auf. Man unterscheidet in:

Sprachentwicklungsverzögerung (SEV)
Sie beschreibt eine zeitliche Abweichung vom regelhaften Spracherwerb, weicht jedoch inhaltlich nicht von dem eines regelrecht entwickelten Kindes ab. Man sagt auch, die Sprachentwicklung des Kindes ist “harmonisch” verzögert.

Sprachentwicklungsstörung (SES)
Hierbei tritt neben der zeitlichen auch eine inhaltliche Abweichung vom Spracherwerb auf. Dabei können die verschiedenen Sprachebenen unterschiedlich stark betroffen sein. Der Bergriff “Sprachentwicklungsstörung” beschreibt somit Fehler im Erwerb sprachlicher Strukturen, die von den Fehlern im ungestörten Erwerb der Sprache abweichen.

Sprachenwicklungsbehinderung (SEB)
Von dieser Form der Auffälligkeit spricht man, wenn der Spracherwerb in seinem normalen Verlauf behindert wird, z. B. durch eine geistige oder körperliche Behinderung, eine Hörstörung, Lernbehinderung oder Syndrome. Zumeist wird davon ausgegangen, dass eine altersgerechte Sprache nur unzureichend und mit großer zeitlicher Verzögerung erreicht werden kann.

Hörstörung


Sie können temporär oder dauerhaft, beid- oder einseitig sowie fortschreitend oder gleichbleibend auftreten. Bei der Ausprägung unterscheidet man je nach Hörverlust in gering-, mittel oder hochgradig bzw. hörrestig. Die Ursachen für Hörbeeinträchtigungen sind vielfältig. Grundlegend unterscheidet man dabei in angeborene oder nach der Geburt erworbene Hörstörungen. An der entsprechenden Ursache orientiert sich auch die jeweilige Therapie:
 
Je nach Hörstörung kann eine medizinische Therapie durch Medikamente oder eine Operation, eine Versorgung mit Hörgeräten (HDO = hinter dem Ohr- oder IDO = in dem Ohr-Geräte) oder einem Cochlea Implantat sinnvoll sein. Die logopädische Therapie richtet sich danach, ob die Hörstörung vor, während oder nach Abschluss des Spracherwerbs aufgetreten ist. Besonders im Bereich der Versorgung mit Hörgeräten bzw. einem Cochlea Implantat darf ein logopädisches Training des Gehörs einerseits, die logopädische Therapie zur Begleitung des Spracherwerbs andererseits nicht fehlen.

Dysgrammatismus


Dieser Begriff beschreibt eine Beeinträchtigung der Fähigkeit sich durch grammatikalisch geordnete Strukturen auszudrücken, d. h. das morphologisch-syntaktische Regelsystem (Wortgestalt und Satzbau) kann nicht normgerecht angewendet werden. Wörter oder Satzteile werden ausgelassen, bestimmte Formen (z. B. Verbflexion, Pluralbildung, Artikel, Akkusativ/Dativ) werden falsch verwendet und es treten Probleme auf, die Wörter im Satz richtig anzuordnen.
 
Auch im regelhaften Spracherwerb treten Fehler bei der Produktion grammatikalischer Strukturen auf, aus denen ein Kind lernt und sich so weiter entwickelt.
 
Der Begriff Dysgrammatismus beschreibt Fehler im Erwerb grammatischer Strukturen, die von den Fehlern im ungestörten Erwerb der Grammatik abweichen. Damit ist dieser auch gegenüber dem verzögerten Grammatikerwerb abzugrenzen, der eher in den Bereich der SEV gehört.

Auditive Wahrnehmungsschwäche


Diese Auffälligkeit beschreibt eine Schwäche in der zentralen Hör-Wahrnehmung und -verarbeitung. Es liegt keine Hörstörung im Bereich der Reizaufnahme durch das Mittelohr vor (das Kind braucht also kein Hörgerät), sondern die Weiterverarbeitung des akustischen Reizes im Gehirn ist gestört. Dies äußert sich durch Unsicherheiten in den verschiedenen auditiven Teilfunktionen:

 

  • Auditive Aufmerksamkeit (Hinwendung und Konzentration auf einen auditiven Reiz)
  • Speicherung und Sequenz (Hör-Merk-Spanne)
  • Lokalisation (Richtung und Entfernung von auditiven Reizen feststellen)
  • Diskrimination (ähnliche auditive Reize wie Laute oder Geräusche unterscheiden)
  • Selektion (bedeutungsvolle Informationen von Störgeräuschen unterscheiden)
  • Analyse (Wörter in Silben und Sätze in Wörter zu zerlegen, bzw. einzelne Elemente aus einer Gestalt, wie Laute aus einem Wort, heraushören)
  • Synthese (aus einzelnen Elementen eine komplexe Gestalt, z. B. aus Lauten ein Wort zusammen setzen)
  • Ergänzung (unvollständige auditive Vorgaben, wie Wörter oder Sätze, sinnvoll ergänzen)

Durch eine auditive Wahrnehmungsschwäche können sich Schwierigkeiten beim Sprach- oder Lese-Rechtschreiberwerb ergeben. Bei Verdacht auf eine auditive Wahrnehmungsschwäche ist eine intensive Diagnostik durch eine HNO-Arzt bzw. Phoniater mit eingehenden Hörtests sinnvoll.

Aussprachestörung (Dyslalie)


Diese Bezeichnung wird häufig als Sammelbegriff für die verschiedenen Formen von Aussprachestörungen verwendet. Sie umfasst alle Auffälligkeiten des Sprechens, bei denen ein oder mehrere Laute nicht richtig ausgesprochen, Laute ausgelassen oder durch andere Laute ersetzt werden. Man unterscheidet in partielle (1-2 Laute), multiple (3-5 Laute) und universelle Dyslalie (mehr als 5 Laute sind betroffen). Man unterscheidet die Aussprachestörungen in:

Phonetische Störung (Störung der Lautbildung)
Ein Kind ist von seinen organischen und motorischen Voraussetzungen und Fähigkeiten nicht in der Lage, bestimmte Laute korrekt zu bilden und verwendet stattdessen eindeutige Ersatzlaute. Man spricht auch von einer Artikulationsstörung.

Phonologische Störung (Störung der Lautanwendung)
Phonologie ist das Wissen darüber, an welcher Stelle im Wort welcher Laut gesprochen werden muss. Dazu gehört auch die Fähigkeit, verschiedene, auch ähnlich klingende Laute voneinander unterscheiden zu können. Sind diese Vorraussetzungen nicht gegeben, kann es dazu kommen, dass Kinder beim Sprechen Laute verändern, auslassen oder durch andere ersetzen, obwohl sie von ihren motorischen Vorraussetzungen durchaus in der Lage wären, diese Laute korrekt zu bilden. Auch im regelhaften Lautspracherwerb treten Fehler bei der Aussprache auf, aus denen ein Kind lernt und sich so weiter entwickelt.
 
Der Begriff Phonologische Störung beschreibt Fehler im phonologischen Erwerb, die von den Fehlern im ungestörten phonologischem Erwerb abweichen. Damit ist dieser auch gegenüber der phonologischen Verzögerung abzugrenzen, die eine zeitliche Abweichung der normalen Entwicklung beschreibt.

Störung im Schriftspracherwerb


Diese Beschreibung umfasst alle Schwächen beim Erlernen von Lesen und Rechtschreiben. Die Definition “Legasthenie” beschreibt eine Schwäche beim Erlernen von Lesen, Schreiben und Rechtschreiben, die weder auf eine allgemeine Beeinträchtigung der geistigen Entwicklung noch auf unzulänglichen Unterricht zurückgeführt werden kann (ICD; DSM). Wohingegen der Begriff “Lese-Rechtschreib-Schwäche” eine Einschränkung der Fähigkeiten im Schriftspracherwerb aus unterschiedlichen Gründen annimmt: im Rahmen einer allgemeinen Minderbegabung, bei normalen Lernvoraussetzungen aus Gründen, die nicht im Kind liegen (z. B. Vernachlässigung, Erziehungsschwierigkeiten) oder durch eine Teilleistungsschwäche der Wahrnehmung und der Motorik. Typische Fehler bei einer Lese-Rechtschreib Schwäche sind:

 

  • Verwechslung von Buchstaben, die sich in der Raumlage oder Formdetails unterscheiden
  • Vertauschung von Buchstaben im Wort
  • Verwechslung von ähnlichen Lauten
  • Buchstabenergänzungen und -auslassungen
  • Fehler bei der Groß- und Kleinschreibung
  • Gebrauch von Doppelkonsonanten
  • Vokaldehnungen

Dazu kommen häufig noch Konzentrationsstörungen, Schwächen der Lernmotivation und emotionale Auffälligkeiten. Die Störungen des Schriftspracherwerbs sind leider nicht als Indikation für logopädische Therapie im Leistungskatalog der Krankenkassen anerkannt. Sind diese Auffälligkeiten jedoch auf eine auditive Wahrnehmungsschwäche oder eine ehemalige Sprachentwicklungsverzögerung zurückzuführen, fallen sie in den Zuständigkeitsbereich der Logopädie.

Myofunktionelle Störung (MFS)


… beschreibt eine Muskelfunktionsschwäche bzw. unausgeglichene Muskelspannungsverhältnisse im Gesichtsbereich und Mundraum. Einige Muskeln können zu schwach, andere zu stark ausgebildet sein. Daraus resultiert zumeist eine eingeschränkte Motorik der Zunge, Lippen und des Gaumensegels, sowie der gesamten Gesichtsmuskulatur. Weiterhin besteht häufig eine mangelnde taktil-kinästhetische Wahrnehmung im Mundraum.
 
Folgen können unter anderem ein fehlerhaftes Kau- und Schluckmuster, eine inkorrekte Zungenruhelage und häufig auch Störungen in der Lautbildung, insbesondere der Zischlaute, sein.
 
Langfristige Folgeschäden können sich in Form von Zahn- und Kieferstellungsanomalien zeigen, die neben der logopädischen Therapie auch einer kieferorthopädischen Behandlung bedürfen. Die Therapie besteht aus Übungen zur Kräftigung von Lippen und Zungenmuskulatur, Verbesserung der Wahrnehmung im Mundraum, Erarbeitung eines korrekten Schluckmusters, sowie Angewöhnung der korrekten Zungenruhelage.

Stimmstörungen (Dysphonie)


Schon im Kindesalter können Störungen der Stimmfunktion auftreten, die entweder organisch oder funktionell, durch einen unökonomischen Gebrauch der Stimme bedingt sein können. Die Auffälligkeiten äußern sich zumeist durch Heiserkeit, ein eingeschränktes Stimmvolumen oder eine zu hohe oder zu tiefe Sprechstimmlage. Weiterhin sind ein Räusperzwang, sowie Missempfindungen und Schmerzen im Kehlkopfbereich möglich.
 
Besonders häufig sind die so genannten “Schreiknötchen”, die durch einen übermäßigen und schadhaften Einsatz der Stimme hervorgerufen werden können. Bei einem so “erlernten” oder besser “angewöhnten” Missbrauch der Stimme über Jahre hinweg, kann die Stimmstörung auch im Erwachsenenalter noch weiter be- oder wieder entstehen. Eine frühzeitige Therapie hinsichtlich eines bewussten und angemessenen Einsatzes der Stimme ist somit notwendig und sinnvoll.

Näseln (Rhinophonie/Rhinolalie)


Der Nasenrachenraum ist zu intensiv (offenes Näseln) oder zu wenig (geschlossenes Näseln) an der Klangbildung des Sprechens beteiligt. Bei einem offenen Näseln (Rhinophonia aperta) schließt das Velum (Gaumensegel) nur unvollständig mit der Rachenhinterwand ab, so dass beim Sprechen zu viel Luft durch die Nase entweicht. Beim geschlossenen Näseln ist zumeist der Nasenrachenraum verlegt oder verengt, so dass beim Sprechen der Nasallaute keine oder zu wenig Luft durch die Nase entweichen kann. Beide Formen können auch gemeinsam auftreten und werden dann gemischtes Näseln (Rhinophonia mixta) genannt. Diesen Auffälligkeiten können sowohl funktionelle als auch organische Ursachen zugrunde liegen. Vor einer logopädischen Therapie sollten die organischen Ursachen durch eine eingehende ärztliche Diagnostik abgeklärt und gegebenenfalls behandelt werden.

Rhinolalie
Eine Rhinolalie kann sowohl in Zusammenhang mit einem offenen, als auch bei einem geschlossenen Näseln auftreten. Hier kommt es neben der klanglichen Veränderung des Sprechens auch zu einer Vernderung der Lautbildung. Dabei werden zumeist kompensatorisch Laute rückverlagert, um eine Luftflucht durch die Nase zu vermeiden (offenes Näseln) oder Nasallaute durch Plosivlaute (geschlossenes Näseln) ersetzt.

Redeunflüssigkeiten (Stottern/Poltern)


Stottern
Beim Stottern ist der Fluss des Sprechens unabhängig vom Willen des Sprechers durch Wiederholungen von Lauten, Silben oder Wörtern, Dehnungen von Wörtern oder durch Blockierung gehemmt oder unterbrochen. In einem Alter zwischen drei und fünf Jahren treten bei 80 % aller Kinder Sprechunflüssigkeiten auf. Dies nennt man physiologisches Stottern, welches zumeist ein lockeres und kurzes Wiederholen von Wörtern und Silben ist, eine Art “Hängen bleiben”, ohne sichtbare Sprechanstrengung. Das Kind zeigt kaum Störungsbewusstsein und es gibt auch Phasen ohne Stottern. Es besteht nicht länger als ein halbes Jahr und entwickelt sich von alleine zurück.
 
Es gibt allerdings unterschiedliche Faktoren, die ein Bestehen bleiben der Stottersymptome über das physiologische Stottern hinaus begünstigen, so dass sich ein chronisches Stottern entwickeln kann. Dies kann sich bis ins Erwachsenenalter tief in die Persönlichkeit auswirken. Daher ist es sinnvoll sich hinsichtlich der bestehenden Auffälligkeit von einem Logopäden eingehend beraten zu lassen. Da die Ursachen und Folgen eines Stotterns sehr unterschiedlicher Art sein können sind hier die Grenzen der Aufgabengebiete von Logopädie und Psychologie hier fließend.

Poltern
Poltern ist eine Redeflussstörung, die durch eine überstürzte und unregelmäßige Sprechweise gekennzeichnet ist und somit zu einer Beeinträchtigung der Verständlichkeit führt. Sie kann sich nicht nur durch Unsicherheiten auf der sprachlichen, sondern auch auf kognitiver, pragmatischer und motorischer Ebene äußern. Die Sprechunflüssigkeiten zeigen sich hauptsächlich in einem sehr hohen Sprechtempo, bei dem einzelne Silben werden verschluckt oder “verhaspelt” werden, so dass das Sprechen undeutlich und “verwaschen” klingt. Weiterhin werden häufig Sätze und Wörter wiederholt oder neu angesetzt, welches eine Störung im Satzbau hervorruft. Das Sprechen wirkt jedoch locker ohne Anstrengung und Störungsbewusstsein des Sprechers. Viele polternde Menschen glauben normal zu sprechen, und sind erstaunt, wenn sie auf ihre Sprach- und Sprechunsicherheiten aufmerksam gemacht werden.
 
Beide Formen der Redeflussstörungen können gleichzeitig auftreten, wobei meist eine im Vordergrund steht.

Auffälligkeiten im Jugendlichen- und Erwachsenenalter

Aphasie


Unter dem Begriff Aphasie versteht man eine zentrale Sprachstörung auf Grund einer Hirnschädigung (z. B. Schlaganfall, Hirntumor, Entzündungen des Gehirns, Traumata) nach Abschluss des Spracherwerbs. Sie kann zu Problemen in der verbalen Kommunikation führen und enorme psychosoziale Folgen haben. Bei einer aphasischen Störung können die verschiedenen Komponenten des Sprachsystems betroffen sein: Phonologie (das Wissen darum, an welcher Stelle im Wort welcher Buchstabe stehen muss), Wortschatz, Satzbau und Wortbedeutung (Semantik). Diese Form von Sprachstörungen können sich auf alle expressive und rezeptive sprachliche Ebenen erstrecken: auf Sprechen und Verstehen, sowie aufs Lesen und Schreiben. Je nach Lokalisation der Hirnschädigung bzw. Art der Symptome unterscheidet man in verschiedene Formen. So gibt es z. B. eine globale Aphasie, die Wernicke- und Broca-Aphasie und die amnestische Aphasie. Der Ort und das Ausmaß der Schädigung sind entscheidend für Art und Schweregrad der Aphasie und haben ebenfalls Einfluss auf die Prognose in der Therapie.
 
Häufig gehen mit einer aphasischen Sprachstörung neurologische Begleitsymptome einher. So kann eine Halbseitenlähmung, Fazialisparese (Gesichtslähmung) oder eine Einschränkung des Sichtfeldes auftreten. Aphasien zeigen sich isoliert oder in Verbindung mit anderen logopädischen Störungsbildern, wie der Dysarthrie, der Sprechapraxie oder einer Dysphagie.

Laryngektomie (Kehlkopfentfernung)


Bei einer Laryngektomie wird, aufgrund einer Krebserkrankung, der Kehlkopf teilweise oder komplett entfernt. Bei einer totalen Laryngektomie wird der Atem- und Speiseweg getrennt, so dass der Patient nicht wie zuvor durch Mund und Nase atmet, sondern durch ein Tracheostoma (Atemöffnung am Hals). Aus diesem Grunde kann die Atemluft nicht mehr für die Stimmgebung genutzt werden. Ohne Kehlkopf keine Stimme – und dennoch ordnet man diesen Bereich den Stimmstörungen zu, zumal die Therapie darin besteht, diverse Ersatzstimmen als Kompensation zu erarbeiten: Bekommt der Patient ein Shunt-Ventil eingesetzt, mit dem die Luft in die Speiseröhre gelenkt wird, kann er durch eine Schleimhautschwingung einen stimmähnlichen Ton erzeugen.
 
Weiterhin besteht die Möglichkeit der Verwendung eines Servox-Sprechgerätes, eine elektronische Ersatzstimme. Dies erzeugt von außen Schwingungen der Mundbodenschleimhaut und bildet somit eine Ersatzstimme. Diese klingt leider sehr künstlich, bietet aber dennoch oft rasche Hilfe.
 
Die dritte Möglichkeit der Tongebung ist die so genannte Oesophagusstimme, die Speiseröhrenersatzstimme. Hier drückt der Patient Luft aus dem Mund in die Speiseröhre und gibt diese sofort wieder ab, so dass ein Ton entsteht, der dem Aufstoßen ähnelt.

Dysarthrophonie


Hierbei handelt es sich um erworbene neurogene Sprech- bzw. Stimmstörungen, die durch eine Schädigung des Nervensystems verursacht werden. Sie beruhen auf einer Beeinträchtigung der Steuerung und Ausführung von Sprechbewegungen bzw. der Stimmproduktion, d. h. die Übertragung korrekt geplanter neuronaler Signale auf die Muskulatur ist gestört.
 
Die Dysartrophonie zeigt neben der verwaschenen Artikulation Veränderungen im Sprechtempo und in der Sprechatmung sowie auch Auffälligkeiten in der Stimmqualität. Wie bei den aphasischen Störungen unterscheidet man auch hier je nach Ort der Schädigung bzw. Art der Symptome in verschieden Formen mit unterschiedlichen Therapieschwerpunkten.

Näseln (Rhinophonie)


Auch im Erwachsenenalter kann ein “Näseln” auftreten. Die Auffälligkeiten ähneln stark denen im Kindesalter, sind aber oft anderer Ursache. Ebenfalls ist hier der Nasenrachenraum entweder zu intensiv (offenes Näseln) oder zu wenig (geschlossenes Näseln) an der Klangbildung des Sprechens beteiligt.
 
Bei einem offenen Näseln (Rhinophonia aperta) schließt das Velum (Gaumensegel) nur unvollständig mit der Rachenhinterwand ab, so dass beim Sprechen zu viel Luft durch die Nase entweicht. Beim geschlossenen Näseln ist zumeist der Nasenrachenraum verlegt oder verengt, so dass beim Sprechen der Nasallaute keine oder zu wenig Luft durch die Nase entweichen kann.
 
Beide Formen können auch gemeinsam auftreten und werden dann gemischtes Näseln (Rhinophonia mixta) genannt. Diesen Auffälligkeiten können sowohl funktionelle als auch organische Ursachen zugrunde liegen. Vor einer logopädischen Therapie sollten die organischen Ursachen durch eine eingehende ärztliche Diagnostik abgeklärt und ggf. behandelt werden.

Sprechapraxie


Die Sprechapraxie ist eine erworbene zentral-motorische Störung des Sprechens, bei der eine “Störung der Programmierung von Sprechbewegungen” angenommen wird. Sie geht auf eine Hirnschädigung durch Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma oder zentrale Degenerationen zurück.
 
Die Folgen einer Sprechapraxie sind eine unflüssige Sprechweise und Störungen in den Lautstrukturen. Auffällig sind häufig Suchbewegungen der Zunge und Lippen, sowie eine große Anstrengung beim Sprechen.

Redeunflüssigkeiten (Stottern/Poltern)


Stottern
Das chronische Stottern im Erwachsenenalter beruht überwiegend auf einem aus dem Vorschulalter entstandenen Stottern. Neu auftretende Sprechunflüssigkeiten können in Form eines neurogenen Stotterns nach einer Hirnverletzung beobachtet werden. Beim Stottern ist der Fluss des Sprechens unabhängig vom Willen des Sprechers durch Wiederholungen von Lauten, Silben oder Wörtern, Dehnungen von Wörtern oder durch Blockierung gehemmt oder unterbrochen. Hinzukommen können zahlreiche Begleitsymptome (von Mitbewegungen bis hinzu Vermeideverhalten), die sich bei jedem stotternden Menschen in einer individuellen komplexen Form zeigen und enorme Auswirkungen auf dessen Lebenskonzept und die Persönlichkeit haben können. Da die Ursachen und Folgen eines Stotterns sehr unterschiedlicher Art sein können sind hier die Grenzen der Aufgabengebiete von Logopädie und Psychologie hier fließend.

Poltern
Poltern ist eine Redeflussstörung, die durch eine überstürzte und unregelmäßige Sprechweise gekennzeichnet ist und somit zu einer Beeinträchtigung der Verständlichkeit führt. Sie kann sich nicht nur durch Unsicherheiten auf der sprachlichen, sondern auch auf kognitiver, pragmatischer und motorischer Ebene äußern. Die Sprechunflüssigkeiten zeigen sich hauptsächlich in einem sehr hohen Sprechtempo, bei dem einzelne Silben werden verschluckt oder “verhaspelt” werden, so dass das Sprechen undeutlich und “verwaschen” klingt. Weiterhin werden häufig Sätze und Wörter wiederholt oder neu angesetzt, welches eine Störung im Satzbau hervorruft. Das Sprechen wirkt jedoch locker ohne Anstrengung und Störungsbewusstsein des Sprechers. Viele polternde Menschen glauben normal zu sprechen, und sind erstaunt, wenn sie auf ihre Sprach- und Sprechunsicherheiten aufmerksam gemacht werden.
 
Beide Formen der Redeflussstörungen können gleichzeitig auftreten, wobei meist eine im Vordergrund steht.

Schluckstörung (Dysphagie)


Unter einer Dysphagie versteht man eine Störung der Aufnahme, der Zerkleinerung oder des Transportes von Nahrung und Flüssigkeiten (einschließlich Speichel und Sekret) im Mund-Rachenraum bis zur Speiseröhre. Zumeist durch eine Hirnschädigung ist der muskulär und neuronal höchst komplexe Schluckvorgang so gestört, dass es zum Verschlucken oder zu Missempfindungen kommen kann.
 
Die Folgen z. B. eine Lungenentzündung können für die Betroffenen lebensbedrohlich sein. Daher ist es wichtig eine Schluckstörung früh zu erkennen und durch eine logopädische Therapie gezielt zu behandeln. Dabei werden zunächst die notwendigen Voraussetzungen für ein gesundes Schlucken geschaffen – beginnend bei der Haltung und der Muskelspannung – und die Schutzmechanismen trainiert (Hustenreflex). Danach wird abhängig von der gestörten Phase der Schluckablauf gezielt trainiert.

Myofunktionelle Störungen (MFS)


… beschreibt eine Muskelfunktionsschwäche bzw. unausgeglichene Muskelspannungsverhältnisse im Gesichtsbereich und Mundraum. Einige Muskeln können zu schwach, andere zu stark ausgebildet sein. Daraus resultiert zumeist eine eingeschränkte Motorik der Zunge, Lippen und des Gaumensegels, sowie der gesamten Gesichtsmuskulatur. Weiterhin besteht häufig eine mangelnde taktil-kinästhetische Wahrnehmung im Mundraum.
 
Folgen können unter anderem ein fehlerhaftes Kau- und Schluckmuster, eine inkorrekte Zungenruhelage und häufig auch Störungen in der Lautbildung, insbesondere der Zischlaute, sein.
 
Langfristige Folgenschäden können sich in Form von Zahn- und Kieferstellungsanomalien zeigen, die neben der logopädischen Therapie auch einer kieferorthopädischen Behandlung bedürfen. Die Therapie besteht aus Übungen zur Kräftigung von Lippen und Zungenmuskulatur, Verbesserung der Wahrnehmung im Mundraum, Erarbeitung eines korrekten Schluckmusters, sowie Angewöhnung der korrekten Zungenruhelage.

Stimmstörungen (Dysphonien) - funktionell bedingt - organisch bedingt - psychogen bedingt


Einteilungen der Stimmstörungen (Dysphonien):

Funktionell bedingte Stimmstörung
Der Bereich der funktionell bedingten Stimmstörungen umschreibt Störungen der Stimme und des Stimmgebrauchs, die nicht organischer Ursache sind, sondern durch eine unökonomische Nutzung der Stimme entstehen. Diese funktionellen Abweichungen der Stimmgebung können im Sinne eines “zu viel” als hyperfunktionelle Dysphonien oder im Sinne eines “zu wenig” als hypofunktionelle Dysphonie auftreten. Hierdurch können Symptome wie Heiserkeit, eingeschränktes Stimmvolumen, zu hohe oder zu tiefe Sprechstimmlage entstehen. Weiterhin sind ein Räusperzwang, sowie Missempfindungen und Schmerzen im Kehlkopfbereich möglich.
Betroffene Gruppen sind Sprechberufler wie LehrerInnen, ErzieherInnen, VerkäuferInnen und auch SängerInnen.

Organisch bedingte Stimmstörung
Bei dieser Form der Stimmstörungen treten an den Stimmlippen, den Knorpeln, der Schleimhaut oder den Muskeln des Kehlkopfes organische Veränderungen (z. B. Zysten, Polypen, Granulome) auf, die zu einer Beeinträchtigung der Stimmfunktion führen können. Solche organischen Veränderungen, insbesondere die Stimmlippenknötchen, können aber auch die Folge einer funktionellen Beeinträchtigung der Stimme sein. Eine besonders häufige Form der organischen Stimmstörung ist die Stimmbandlähmung (Recurrensparese): Sie tritt klassischer Weise nach einer Operationen im Halsbereich (z. B. Schilddrüse) auf, bei der es zu einer Schädigung des Nervens kommt, der die Stimmlippen innerviert. Je nach Art und Ursache der Stimmstörung kann eine medizinische Therapie, auch in Form einer Operation erforderlich sein. Fast immer ist zusätzlich eine logopädische Therapie notwendig um wieder eine optimale Stimmfunktion zu erreichen und zu stabilisieren.

Psychogen bedingte Stimmstörung
Bei der psychogen bedingten Stimmstörung treten Stimmbeschwerden, häufig eine starke Heiserkeit, auf, die nicht auf eine organische oder funktionelle Ursache zurückgeführt werden können. Die psychogene Dysphonie kann ein Ausdruck psychosomatischer bzw. psychosozialer Veränderungen sein und durch psychische Belastung oder Stresssituationen ausgelöst werden. Eine begleitende psychotherapeutische Beratung oder Therapie ist meistens sinnvoll.

Hörstörungen


Hörstörungen können eingeteilt werden in Schallleitungsstörungen (Weiterleitung des Schalls ist durch Störungen an der Ohrmuschel, dem Gehörgang, dem Trommelfell oder dem Mittelohr eingeschränkt) und Schallempfindungsstörungen (Empfindung des Schalls ist durch Störungen im Innenohr, der Hörbahn oder der Hörrinde eingeschränkt). Sie können temporär oder dauerhaft, beid- oder einseitig sowie fortschreitend oder gleich bleibend auftreten. Bei der Ausprägung unterscheidet man je nach Hörverlust in gering-, mittel oder hochgradig bzw. hörrestig.
 
Die Ursachen für Hörbeeinträchtigungen sind vielfältig. An der entsprechenden Ursache orientiert sich auch die jeweilige Therapie: Je nach Hörstörung kann eine medizinische Therapie durch Medikamente oder eine Operation oder eine Versorgung mit Hörgeräten (HDO = hinter dem Ohr- oder IDO = in dem Ohr-Geräte) sinnvoll sein. Auch das Cochlea-Implantat wird im Erwachsenenalter implantiert. Bei Hörstörungen, die nach Abschluss der Sprachentwicklung auftreten ist das primäre Ziel der logopädischen Therapie ein differenziertes Training hinsichtlich der neuen Höreindrücke und der Erhalt der sprachlichen Fähigkeiten.